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Lagerstättenkundliche Verhältnisse um Nassereith
von Christian Wolkersdorfer

Silber, Blei und Zink – Lagerstättengenese

Über die Entstehung der Blei-Zink-Erzvorkommen um Nassereith existieren mehrere unterschiedliche Auffassungen, die sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte herausgebildet haben. Heute wird, stark verallgemeinert, angenommen, dass warme (100—120 °C), erzreiche Salzlösungen in die Kalksteine eindrangen, aus denen sich die Erze ausschieden, sobald optimale Umgebungsbedingungen vorlagen. Solche Bedingungen fanden sich während der Gebirgsbildung häufig in Gesteinsspalten oder in gut durchlässigen Bereichen der bereits verfestigten Kalksteine des alpinen Muschelkalks und des Wettersteinkalks.

Im Verlauf vieler Jahrhunderttausende konnten sich auf diese Weise mehrere Zehnermillionen Tonnen Blei-, Zink- und Silbererze ansammeln, von denen zwischen dem 15. und 20. Jahrhundert um Nassereith runde 500.000 Tonnen gefördert wurden.

Wichtigste Erzminerale sind Bleiglanz (Galenit) und Zinkblende (Sphalerit), die zusammen mit Flussspat und Pyrit gefunden werden können. Hauptsächlich im Bleiglanz findet sich fein verteilt Silber, das eigentliche Ziel der ersten Bergbauaktivitäten bei Nassereith. Im Mittel betrugen die Silbergehalte 200—400 Gramm pro Tonne, so dass von ca. 10 Tonnen produziertem Silber auszugehen ist. Eine Besonderheit des Erzvorkommens Dirstentritt ist der relativ Hohe Gehalt an Molybdän und Vanadium, Metalle, das während der beiden Weltkriege als Stahlveredler gesucht waren und die im Mineral Wulfenit vorkommen.

Fast immer kamen die bauwürdigen Erze als Butzen oder Nester im Zentimeter- und Dezimeterbereich vor, nur selten erreichten die Erzlager mehrere Zehnermeter Erstreckung. Oft stehen Gesteine, die durch die Gebirgsbildung zerstört wurden („tektonische Breccien“), im Zusammenhang mit der Erzführung. Die Vererzungsdichte ist insgesamt deutlich geringer als bei den heute förderungswürdigen Blei-Zink-Lagerstätten.

Ob die Erzvorkommen um Nassereith unter heutigen Bedingungen noch abbauwürdig wären kann derzeit klar verneint werden. Da jedoch noch große Erzvorräte vorliegen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Bergbau um Nassereith unter veränderten ökonomischen und weltpolitischen Verhältnissen eines Tages einen erneuten Beginn erlebt. Auch deshalb ist es wichtig und gut, die Erinnerung an unsere Vorfahren, deren Leistungen im Bergbau und die Kenntnisse der alten Bergbaue aufrecht zu erhalten.

 

Hermann-Stollen Igelskar
Unbenannter Stollen Schartenkopf
Silene Vulgaris Silberleithe